Anne von Rymon und Michael arbeiten beide seit 25 Jahren im Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach. Sie ist pflegerische Leitung im Herzkatheterlabor, er arbeitet als Pflegefachkraft in der Psychiatrie.
Somatik und Psychiatrie – zwei Bereiche, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Und doch entdecken beide im Gespräch viele Gemeinsamkeiten.


Kopf oder Bauch
„Wissen und Intuition gehören beide zu unserem Alltag. Wie finden wir die richtige Balance?“
In Michaels Alltag in der Psychiatrie geht es selten um klare Diagnosen und eindeutige Handlungsanweisungen. „Bei uns geht es um Beziehungsaufbau“, sagt er. „Wir haben eine Vorstellung, mit welchem Krankheitsbild oder mit welcher Art von Krise wir es zu tun haben. Das sind für uns Leitplanken. Ein großer Teil unserer Arbeit ist aber Bauchgefühl.“
Struktur und Beziehung
Annes Fachbereich, die Kardiologie, ist dagegen stark von Technik, Untersuchungen und klaren Abläufen geprägt. „Meine Arbeit läuft eigentlich sehr strukturiert ab: Patient begrüßen, Leiste und Handgelenk rasieren, Kanüle legen, EKG anschließen, die Untersuchung begleiten, Druckverband anlegen und den Patienten zurück ins Bett bringen.“
Und dennoch spielt auch bei ihr neben allen Standards das Bauchgefühl eine wichtige Rolle:
„Ich schaue mir den Patienten an. Was sagt mir sein Gesicht? Ist er nervös? Möchte er vielleicht, dass ich ihm die Hand halte? Dort hole ich ihn dann emotional ab.“
Ich schaue mir den Patienten an. Was sagt mir sein Gesicht? Ist er nervös? Möchte er vielleicht, dass ich ihm die Hand halte? Dort hole ich ihn dann emotional ab.
Anne von Rymon:
Leitung Herzkatheterlabor

Was wirklich zählt
Empathie, Aufmerksamkeit und das Gespür dafür, was ein Mensch in diesem Moment braucht – das lässt sich nicht in Checklisten festhalten.
„Was ich abends mit nach Hause nehme, ist nicht, wie viele Patienten wir geschafft haben oder wie schnell wir waren, sondern wie viele Patienten mit einem Lächeln im Gesicht rausgefahren sind und gesagt haben: ‚Es war gar nicht schlimm. Danke!‘ Das ist das Erfüllende.“
Michael erlebt es in der Psychiatrie ganz ähnlich: „Der Kontakt zu den Menschen ist das Wesen unserer Arbeit und das, was uns Freude bereitet.“
Vom Stationsalltag zur Ambulanz
Nach vielen Jahren auf einer psychiatrischen Station arbeitet Michael heute in der Psychiatrischen Institutsambulanz – kurz PIA. „Dort betreuen wir Patienten, die nicht stationär aufgenommen werden müssen, aber mehr Unterstützung brauchen als bei einem regulären Termin beim niedergelassenen Psychiater.“
Die pflegerische Arbeit unterscheidet sich dabei deutlich vom Stationsalltag:
„Auf Station bleiben die Patienten über einen längeren Zeitraum. Die Beziehung entwickelt sich anders als in der Ambulanz.“
Bauchgefühl und Beziehungsarbeit bleiben jedoch in beiden Bereichen zentral:
„In der Ambulanz kennen wir viele Patienten schon aus stationären Aufenthalten. Dieses Wissen fließt dann ins Bauchgefühl mit ein.“
Auf Station bleiben die Patienten über einen längeren Zeitraum. Die Beziehung entwickelt sich anders als in der Ambulanz.“
Michael
Pflegefachkraft Psychiatrie
Eine berufliche Heimat
Für beide ist das EVK Bergisch Gladbach seit 25 Jahren ein fester Teil ihres Lebens. Anne wurde sogar hier geboren, ihre Schwester arbeitet ebenfalls im Haus. „Unser Opa hat immer gefragt, wann wir hier die Geschäftsführung übernehmen“, erzählt sie.
Ihr Weg in die Medizin begann früh: „Eigentlich wollte ich Tierärztin werden.“ Ein Praktikum auf dem Quirlsberg wurde dann zum entscheidenden Schritt: „Danach wusste ich: Hier will ich bleiben.“
Anne gehörte zum ersten Ausbildungskurs für Arzthelferinnen (heute Medizinische Fachangestellte) am EVK. Schon früh wurde ihr eine Leitungsposition im Herzkatheterlabor angeboten. „Damals war ich noch sehr jung. Das war schon ein tolles Gefühl. Ich bin dem EVK sehr dankbar, dass mir dieser Weg ermöglicht wurde.“
Heute ist die Abteilung für sie wie ein zweites Zuhause. Als Führungskraft ist ihr vor allem eines wichtig: „Die Mitarbeiter sollen sich genauso wohlfühlen wie die Patienten.“
Auch Michael ist dem EVK seit vielen Jahren verbunden und hat den Aufbau und die Entwicklung der Psychiatrie miterlebt. Mit Blick auf die Zukunft sieht er eine wichtige Aufgabe: „Wir müssen den Mut haben, auch eigene Schwächen zu zeigen und uns gegenseitig zu unterstützen. Wir müssen nicht stärker tun, als wir sind.“
Was die Arbeit prägt
Auch Michael bringt eine klare Haltung aus seiner langjährigen Arbeit in der Psychiatrie mit. Für ihn steht fest: „Ein großer Teil unserer Arbeit passiert im Kontakt mit Menschen. Das lässt sich nicht einfach in Zahlen fassen.“
Gerade deshalb sei es wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, was den eigenen Beruf ausmacht. „Wir müssen uns fragen, was wir hier eigentlich tun wollen und wie wir das in unserem Alltag unterbringen.“ Dabei gehe es auch um die Haltung im Team: „Wir müssen den Mut haben, auch eigene Schwächen zu zeigen und uns gegenseitig zu unterstützen. Wir müssen nicht stärker tun, als wir sind.“
Zahlen sind wichtig.
Das Umfeld genauso.

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