Menschen in Ausnahmesituationen begleiten

Steffi Weyers ist Fachkrankenschwester für Onkologie im Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach. Sandra Alker arbeitet als Pflegefachkraft im stationären Hospiz am Quirlsberg.

 

Beide arbeiten in unterschiedlichen Bereichen und begegnen doch Menschen in Extremsituationen. Was sie verbindet, ist die Haltung, mit der sie diesen Menschen begegnen. Unabhängig davon, ob jemand gerade eine Krebsdiagnose verarbeitet oder sich auf das Lebensende vorbereitet.

Zwei Personen in OP-Kleidung lächeln sich vor einer schlichten Wand an.

Gemeinsamer Blick auf den Menschen

Sandra Alker hat das stationäre Hospiz am Quirlsberg seit seiner Eröffnung im Januar 2020 mit aufgebaut. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen sprechen nicht von Patienten, sondern von Gästen. „Es ist ein viel intensiverer Umgang mit den Menschen als im Krankenhaus oder in einer Senioreneinrichtung“, sagt sie. Und betont: „Bei uns ist es lebendig, es wird gelebt.“

 

Es wird gelacht, gefeiert, geredet. Und manchmal werden auch Dinge angesprochen, die im Leben bislang unausgesprochen geblieben sind. „Es wird schon manchmal richtig aufgeräumt.“

 

Die Haltung, mit der Sandra Alker und ihr Team den Gästen begegnen, lässt sich nicht einfach erlernen. „Wir gehen individuell auf jeden Gast ein. Alles kann, nichts muss.“

Unsere Gäste bleiben von wenigen Stunden bis zu fast einem Jahr ... Wichtig ist, dass sich die Menschen bei uns geborgen und wohlfühlen.

Sandra Alker
Pflegefachkraft

Nähe und Zeit

Intensive Gespräche mit den Gästen, aber auch mit den Angehörigen, gehören im Hospiz zum Alltag. Wie eng diese Beziehungen werden, hängt auch vom Faktor Zeit ab. „Unsere Gäste bleiben von wenigen Stunden bis zu fast einem Jahr bei uns. Egal wie lang: Wichtig ist, dass sich die Menschen bei uns geborgen und wohlfühlen.“

 

Das Team arbeitet mit Aromaölen, bildet sich in Spiritualität und Gesprächsführung fort und begleitet Menschen und ihre Angehörigen oft sehr intensiv.

Nähe und Professionalität

Steffi Weyers arbeitet im Krankenhaus mit Patientinnen, die an Krebs erkrankt sind. Ihre Haltung hat sie über die Jahre bewusst entwickelt: „Ich bin ja auch nicht immer so gewesen, wie ich heute bin. Ich behandle sie so, wie ich selbst behandelt werden möchte. Sie dürfen in ihrer Situation auch mal schlechte Laune haben. Das darf nicht über mein Wohlbefinden bestimmen.“

 

Von ihrem Arbeitgeber fühlt sie sich dabei besonders gut unterstützt. Nach 26 Jahren in einem Krankenhaus am Niederrhein wechselte sie vor fünf Jahren auf den Quirlsberg.

„Ich habe alles richtig gemacht. Ich bin sehr happy hier und möchte nicht mehr weg.“

 

Im EVK Bergisch Gladbach fand sie, was sie vorher vermisst hatte: das Gefühl, gesehen und gehört zu werden. „Ich fühle mich hier ganz anders abgeholt als vorher. Krankenhäuser sind Krankenhäuser. Aber dieses Gesehenwerden, dieses Miteinander, das macht es hier aus.“

 

Das gilt ausdrücklich auch für die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten: „Wir ergänzen uns. Ich bin nicht einfach nur eine Krankenschwester, sondern werde auch von den Ärzten gehört.“


Für dieses Arbeitsumfeld nimmt sie sogar lange Pendelzeiten in Kauf.

Intensive Beziehungen

Wie im Hospiz entstehen auch in der Onkologie oft enge und vertraute Beziehungen.



„Es hört sich vielleicht komisch an, aber es ist eine sehr schöne und gleichzeitig sehr emotionale Arbeit. Wir führen intensive Gespräche über die unterschiedlichsten Aspekte des Lebens.“

 

Am Quirlsberg wurde ihr sogar eine Fortbildung in Paar- und Sexualtherapie ermöglicht, die sie heute im Alltag einsetzen kann. „Die Patientinnen schätzen diese Offenheit sehr.“

Es hört sich vielleicht komisch an, aber es ist eine sehr schöne und gleichzeitig sehr emotionale Arbeit.

Steffi Weyers
Fachkrankenschwester für Onkologie

Zwei lächelnde Personen in OP-Kleidung stehen vor einer schlichten Wand, eine in Weiß, die andere in Kastanienbraun.

Offenheit im Umgang

Beide arbeiten mit Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen und Lebensrealitäten. „Was uns verbindet, ist unsere Offenheit. Wir nehmen jeden so, wie er ist.“

 

Im Hospiz zeigt sich das besonders bei Abschiedsritualen: „Wir haben oft muslimische Gäste. Manche leben schon lange in Deutschland und die Angehörigen haben keine besonderen Wünsche. Bei anderen achten wir sehr genau auf religiöse Vorgaben. Der Gast wird zum Beispiel abgedeckt und darf von uns nicht mehr berührt werden.“

 

In der Onkologie erlebt Steffi Weyers es ähnlich. „Wir haben Frauen aus verschiedenen Glaubensrichtungen und verschiedensten Ländern bei uns. Und wir lassen uns gerne auf Neues ein und versuchen herauszufinden, welche Wünsche und welche Grundhaltung die Person vor uns mitbringt.“


Sandra Alker und Steffi Weyers sind sich einig: Im Gesundheitswesen, egal in welchem Bereich, ist Haltung kein starres Korsett, sondern die Fähigkeit, sich jeden Tag aufs Neue auf Menschen einzulassen.

Zahlen sind wichtig.
Das Umfeld genauso.

Luftaufnahme eines grünen Stadtviertels mit Gebäuden, Bäumen und einer fernen Skyline unter klarem Himmel

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Eine lächelnde Frau in Rot umarmt eine sitzende Frau in blauem Hemd vor einem schlichten Hintergrund.

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