Für andere da sein, ohne sich selbst zu verlieren

Lisa Wiechmann ist Leitung OP-Management im Evangelischen Krankenhaus Bergisch Gladbach. Jasmina Boujatouy ist Pflegefachkraft in der Senioreneinrichtung Haus An der Jüch von Quirlsberg Pflege & Wohnen.



Können wir uns selbst verwirklichen, wenn wir vor allem für andere da sind? Oder bleibt das eigene Leben dabei auf der Strecke? Lisa Wiechmann und Jasmina Boujatouy geben darauf eine klare Antwort.

Zwei Personen lächeln und lachen miteinander, eine in einer gelben Jacke, die andere in einem weißen Hemd, vor einer hellen Wand.
Zwei lächelnde Mitarbeiterinnen des Gesundheitswesens in roter und blauer Arbeitskleidung stehen vor einer schlichten Wand.

Selbstverwirklichung im Dienst für andere

Jasmina Boujatouy gehörte zu den ersten Absolventinnen der generalistischen Pflegeausbildung. Die dreijährige Ausbildung vereint seit 2020 die Berufsbilder Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege. „Eigentlich wollte ich nach der Ausbildung im Krankenhaus in der Unfallchirurgie arbeiten.“



Ihr Praxiseinsatz im Rahmen der Ausbildung an der Quirlsberg Akademie änderte jedoch ihre Perspektive: „In der Ausbildung lernen wir alle Bereiche kennen – im Krankenhaus und in der Altenpflege.“ Das Krankenhaus konnte sie sich gut vorstellen. „Vom Seniorenbereich hatte ich vorher kein genaues Bild.“

Jede Tür, die du aufmachst, überrascht dich.

Jasmina Boujatouy
Praxisanleiterin

Im Haus An der Jüch lernte sie nicht nur ihr heutiges Team kennen, sondern auch eine andere Arbeitsweise: Die über die Zeit entstehenden, engen Beziehungen zu den Bewohnerinnen und Bewohnern, die hohe medizinische Eigenverantwortung und die Tatsache, dass Entscheidungen oft ohne ständige Arztvisite getroffen werden müssen. „Jede Tür, die du aufmachst, überrascht dich“, sagt sie.


Ein entscheidender Punkt ist für sie die Arbeit im Team: „Die Kommunikation, die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt – das gefällt mir hier besonders.“

Jede Tür ist anders

Alltag und eigenes Leben

Jasmina Boujatouy arbeitet Vollzeit im Schichtdienst, auch an Wochenenden und kümmert sich zusätzlich um ihre kleine Schwester. Zeit für ihre Leidenschaften – Backen, Kochen und Reisen – findet sie trotzdem. Mitunter auch nachts: „Es hört sich verrückt an, aber ich backe gerne nachts. Dann habe ich meine Ruhe.“


Die Trennung zwischen Beruf und Privatleben ist ihr grundsätzlich wichtig. In der Arbeit mit älteren Menschen verschwimmen die Grenzen jedoch manchmal: „Wir sprechen viel mit unseren Bewohnerinnen und Bewohnern. Wir erzählen aus unserem Alltag und sie berichten von ihrem Leben, ihren Erlebnissen und Hobbys von früher.“

Entwicklung gehört dazu

Selbstverwirklichung bedeutet für sie aber nicht nur Freizeit, sondern auch berufliche Entwicklung. Unter anderem deshalb hat sie sich für die Arbeit im Seniorenbereich entschieden. „Ich möchte mich hier weiterentwickeln. Es gibt hier viele verschiedene Bereiche und Weiterbildungsmöglichkeiten.“

Inzwischen hat sie bereits die Weiterbildung zur Praxisanleiterin abgeschlossen.

Verantwortung und Freiraum

Lisa Wiechmann begann ihre Laufbahn als Operationstechnische Assistentin (OTA), übernahm früh Leitungsaufgaben, studierte Medizinökonomie und ist heute für das OP-Management verantwortlich. Sie koordiniert den OP-Alltag, plant Personaleinsätze, optimiert Abläufe – und bändigt, wie sie selbst lachend sagt, auch mal die Chefärzte. „Ich bin jemand, der immer wuselt, sich gerne kümmert und organisiert. Deswegen passt der Beruf zu mir.“

Ich kann mich hier verwirklichen. Deshalb macht es mir so viel Spaß.

Lisa Wiechmann
Leitung OP-Management

Arbeiten und gestalten

Für sie ist Selbstverwirklichung eng mit ihrer Arbeit verbunden: „Die Geschäftsführung gibt einen jungen, agilen und freundschaftlichen Führungsstil vor. Ich bekomme den Freiraum, den ich brauche.“ Ein Freiraum, den sie bei früheren Arbeitgebern so nicht erlebt hat: „Ich kann mich hier verwirklichen. Deshalb macht es mir so viel Spaß.“



Im Team erlebt sie einen familiären Umgang: „Man kennt sich, man hält auch mal ein Schwätzchen. Egal, wie stressig es ist.“ 

Ausgleich finden

Auch privat ist sie aktiv: Familie, Freunde und Sport sind ihr wichtig. In ihrer Freizeit fährt sie unter anderem Mountainbike. „Bergisch Gladbach und das Bergische Land sind dafür ideal. Es gibt viel Natur. Ich komme aus einem Vorort von Köln. Dort gibt es eher viel Beton.“



Neben der großen Verantwortung bringt ihre Position auch Vorteile mit sich: „Ich habe das Glück, nicht am Wochenende arbeiten zu müssen. Das ist ein großer Unterschied zur Schichtarbeit.“ In der Freizeit nur auf der Couch sitzen ist für Lisa Wiechmann selten eine Option. „Ich bin gerne aktiv. Langeweile zieht mich runter.“

Beides gehört zusammen

Beide Frauen zeigen: Wer sich gerne um andere kümmert, muss nicht das eigene Leben aufgeben. Selbstverwirklichung entsteht zudem nicht nur außerhalb der Arbeit.

Zahlen sind wichtig.
Das Umfeld genauso.

Luftaufnahme eines grünen Vorstadtviertels mit Häusern, Bäumen und der fernen Skyline einer Stadt

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